STREADstread-2024-04Dynamic Pricing: So verarschen uns Fluggesellschaften

Dynamic Pricing: So verarschen uns Fluggesellschaften

Wir werden alle beschissen. Fluggesellschaften nutzen nämlich schmuddelige Methoden, um die Preise ihres Angebots festzulegen. Was hat es damit auf sich?

Urlaub ist geil. Sommer, Sonne und ein kleiner Kater, mehr braucht es nicht, um eine kurze Auszeit vom Quiet Quitting zuhause zu kriegen. Dass Fliegen kostet, ist nun kein Geheimnis und auch kein Skandal. Wie allerdings die Kosten fürs Fliegen berechnet werden, ist schon deutlich fragwürdiger.

Fluggesellschaften nutzen das sogenannte Dynamic Pricing. Das bedeutet, dass Preise sich kurzfristig ändern können. Hat dein Flug nach Mallorca heute Morgen noch 30 Euro gekostet, sind es heute Abend schon 100 Euro. Wie kann das bitte sein, fragst du dich dann. Und wir verraten es dir.

Zuerst einmal ist eine Preisanpassung nicht verwerflich. Der Döner wird ja auch immer teurer. Bei Flügen ist es nur leichter, schnell Preise zu verändern, weil wir sie online buchen und da stets Algorithmen wirken, die schneller arbeiten als wir mit unseren trägen Hirnen je denken könnten. 

So nehmen allerlei Faktoren Einfluss auf den Flugpreis: Der aktuelle Kerosinpreis zum Beispiel. Der hängt vom Ölpreis ab und der unterliegt dem freien Markt und der freie Markt ist die Geißel der Menschheit. So auch die Geißel deiner Urlaubsreise. Die Fluggesellschaften geben eine Preiserhöhung dann sofort weiter, ebenso wenn die Kerosinpreise wieder fallen. 

Und es gibt noch weitere Faktoren: Flughafengebühren, Steuern, Wettbewerb – also Angebote anderer Fluggesellschaften, dem Zeitpunkt der Suche – wer früher bucht, kommt meistens günstiger weg, denn … und das ist wohl der wichtigste Faktor:

Angebot und Nachfrage. Wenn viele Plätze auf einem Flug verkauft werden, wird es teurer. Und zwar einerseits, weil die Nachfrage steigt, und andererseits, weil die günstigen Plätze zuerst vergeben werden. So kann es sein, dass der letzte Platz in einer günstigen Kategorie verkauft wurde, kurz bevor du buchen wolltest. Damit bleibt für dich nur der nächst teurere. Nachvollziehbar und fair.

Und dann gibt es einen Faktor, der ziemlich umstritten ist. Und von dem einige Menschen sagen, er existiere gar nicht. Und das ist dein eigener Einfluss, dein Suchverhalten. Einige Fluggesellschaften analysieren, nach welchen Flügen du suchst, welche du dir anschaust, wie oft du zurück kommst – und erhöhen dann für dich den Preis, sobald sie sich sicher wähnen, dass du zuschlagen willst.

So raten Verbraucherschützer*innen, dass du versuchst, so anonym wie möglich zu surfen. Mit Hilfe eines VPNs zum Beispiel. Du solltest deine Cookies regelmäßig löschen und den Cache leeren. Außerdem solltest du dich nicht auf den Seiten anmelden, deren Kunde du werden möchtest, denn dann wirst du wahrlich zum gläsernen Dummie. Es kann sich auch lohnen, mit verschiedenen Geräten zu suchen, also etwa Handy, Computer und Tablet. Nun gut, denkst du jetzt wahrscheinlich, musst du also zum Hacker werden, damit du fair behandelt wirst. Und tatsächlich ist es schwer, dem Zugriff der Algorithmen zu entkommen.

Immerhin, laut einer EU-Richtlinie müssen Seiten transparent machen, wenn sie diese Methode anwenden. Legal sind sie jedenfalls im Grunde.

Nun gibt es auch Expert*innen wie diesen Mann auf Reddit, der selbst ein Business hat, bei dem er Flugpreise vergleicht. Er sagt: Quatsch. Er checke Flüge unzählige Male an einem Tag, ohne dass sich die Preise veränderten. 

Wenn du also eine Reise planst, schau, dass du dich nicht übers Ohr hauen lässt. Bleib anonym, vergleich Preise und schau dir auch Bewertungen anderer Fluggäste an. Einige Airlines sind berüchtigt dafür, ihre Passagier*innen abzuzocken oder im Regen stehen zu lassen, wobei die Regen-Floskel mehr metaphorisch gemeint ist, denn nicht selten lassen sie einen an südlichen Urlaubsorten zurück, in denen die Sonne dir den Kopf wegknallt.

Pass auf dich auf und enjoy deinen Urlaub!

 

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